Ein für Sucht besonders gefährdeter Personenkreis sind die Ärztinnen und Ärzte.

Reimer und Jurkat stellen in ihrem unten zitierten Beitrag fest, dass diese Berufsgruppe neben ihrer besonderen Affinität zu Partnerschaftsproblemen, Depressionen und Suizid auch eine besonders hohe Suchtgefährdung aufweist. Dieser Befund kann als gesichert angesehen werden.

Eine besondere Gefährdung geht dabei für die Ärzte von der Droge Alkohol aus. Mehrere Untersuchungen belegen, dass der Anteil der Ärzte, die Alkoholiker sind, über dem Bevölkerungsdurchschnitt liegt. Eine Studie aus dem Jahr 1981 kommt zu dem Schluss, dass bis zu 10% der amerikanischen Ärzte Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenprobleme haben oder im Verlauf ihrer Karriere an Depressionen erkranken und Suizid begehen. Reimer und Jurkat weisen darauf hin, dass es bei Ärztinnen und Ärzten wie bei anderen Berufsgruppen, die mit hoher Verantwortung verbunden sind, zu prolongierten Krankheitsverläufen kommt.

Die Ursachen für diese Phänomene sind vielfältig. Bestimmte Themen werden allerdings häufig genannt:

  • die Unfähigkeit nach der aufreibenden Facharztausbildung zu einem “gesunden” Arbeitsmaß zurückzukehren. 
  • die Belastung der Partnerschaft durch Überarbeitung
  • die mangelnde Fähigkeit zur Förderung der eigenen Psychohygiene und zur Führung eines zufrieden stellenden Privatlebens
  • falsche Vorstellungen von den Belastungen und dem Berufsbild des Arztes
  • sowie die Missachtung der Prinzipien einer gesunden Lebensführung durch die Ärzte selbst.
  • fehlende Vorbereitung auf Management-. Organisations- und Personalführungsaufgaben

Angesichts dieser Aufzählung erscheint es leicht vorstellbar, dass die oben beschriebenen Probleme aufgrund der Verschärfung der Erwerbssituation für Ärztinnen und Ärzte in Zukunft eher noch zunehmen werden.

vergl. hierzu: Christian Reimer, Harald B. Jurkat: Zur Problematik der Lebensqualität und Suchtgefährdung von Ärztinnen und Ärzten. Suchttherapie an der Schwelle der Jahrtausendwende: Herausforderungen für Forschung und Therapie / hrsg. von Friedhelm Stetter. Neuland, 200, S. 11-24.

Mein besonderer Dank gilt Frau Christa Merfert-Diete von der DHS (Deutschen Hauptstelle gegen die Suchtgefahren), die mir die genannte Quelle erschlossen hat.

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