Sucht ist zunächst einmal eine Krankheit, die auch bei uns in Deutschland seit vielen Jahren als Solche anerkannt ist. Diese Feststellung hat recht praktische Konsequenzen: die vielleicht Wesentlichste ist, dass die Sozialleistungsträger wie Rentenversicherungen, Krankenversicherungen und die Sozialversicherung die Behandlungskosten der Suchterkrankung tragen.

Aber auch eine psychologische Konsequenz der Anerkennung der Sucht als Krankheit ist von immenser Bedeutung: der süchtige Mensch ist ein kranker Mensch!  Es gibt viele Fachleute, die die Suchterkrankung als die schwerwiegendste Zivilisationserkrankung der Gegenwart bezeichnen. Das bedeutet wiederum: der Suchtkranke hat nicht nur einen Anspruch auf Behandlung, er braucht Behandlung, weil er alleine nicht mit seiner Erkrankung fertig werden kann.

Professor Klaus Wanke definierte SUCHT im Jahr 1984 so:

Sucht ist ein unabweisbares Verlangen nach einem bestimmten Erlebniszustand. Diesem Verlangen werden die Kräfte des Verstandes untergeordnet. Es beeinträchtigt die freie Entfaltung einer Persönlichkeit und zerstört die sozialen Bindungen und die sozialen Chancen eines Individuums.

Unter dem Begriff Erlebniszustand kann man eine Mischung aus besonderen Sinneserfahrungen und dem Gesamtbefinden verstehen. Wie dieser Erlebniszustand genau aussieht, ist von der jeweiligen Droge abhängig. Beim Heroin wird der so genannte Kick gesucht. Beim Alkohol ist es oft die entspannende oder die enthemmende Wirkung, die angestrebt wird. Die Definition macht auch klar, dass der Verstand das süchtige Verhalten nicht oder nur sehr begrenzt kontrollieren kann. Man weiß, dass man Schaden nimmt, aber man kann es nicht lassen. Das noch mögliche Maß an Kontrolle hängt ebenfalls von der Art der Droge ab. So hat beispielsweise ein Crack-Raucher (Crack = mit Backpulver und Wasser aufgekochtes Kokain, die vielleicht verheerendste Droge der Gegenwart) so gut wie keine Verstandeskontrolle mehr, während ein Zigaretten-Raucher noch ein erhebliches Maß an Kontrolle entwickeln kann.

Noch plastischer wird das Phänomen Sucht in der Definition der WHO (Weltgesundheitsorganisation) beschrieben:

Sucht ist ein Zustand periodischer oder chronischer Vergiftung, der durch den wiederholten Genuss eines Stoffes hervorgerufen wird; dazu gehören:

  • die psychische und / oder physische Abhängigkeit,
  • das dringende Verlangen oder der Zwang, die Einnahme fortzusetzen....,
  • die Tendenz der Dosissteigerung

Eine Gruppe von Führungskräften ist besonderem Maße vom Thema Sucht betroffen: die Mediziner. Hier erfahren Sie mehr!